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Prüftechnik für die industrielle Praxis, 14. Feb. 2008
Über 50 Teilnehmer aus ganz Bayern informierten sich am 14. Februar in der ZENTEC GmbH in Großwallstadt über den aktuellen Stand der industriellen Prüftechnik. Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln wurde dabei die Notwendigkeit präsentiert, Schadensfälle zu analysieren, zu interpretieren und Lösungen aufzuzeigen, wie diese verhindert werden können.
Den Anfang der vom Kompetenznetz Mechatronik & Automation am Bayerischen Untermain und dem bayerischen Cluster für Mechatronik & Automation gemeinsam durchgeführten Veranstaltung machte Dr. Gabriele Gorzawski vom Bundeskriminalamt Wiesbaden. In Beispielen schilderte sie die Vorgehensweise in der Analyse der Brandursache und erläuterte dabei die wissenschaftliche Vorgehensweise zur Ermittlung von Brandursachen. Weitere Beispiele zur Verbrechensüberführung folgten, wie die Ermittlungen in Fällen von Briefbomben oder von Fahrerflucht. Die jährliche Anzahl solcher Ermittlungen durch das Bundeskriminalamt bezifferte Dr. Gorzawski auf über 10.000, die mit 275 Mitarbeitern in Wiesbaden bearbeitet werden.
Über die Speerspitze aktuellster Möglichkeiten der Prüftechnik im Bereich der Nanoanalytik referierte Dr. Jürgen Meinhart vom Analytischen Dienstleistungszentrum des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung in Würzburg. Als wichtigstes Werkzeug zur Analyse wird dabei ein Transmissionselektronenmikroskop verwendet, das die Grenzflächenanalytik auf der Nanoskala widerspiegelt und sich somit auf der Ebene der Elementarchemie bewegt.
Die Möglichkeiten der Prüftechnik aus dem Hause der Hochschule Aschaffenburg zeigten die beiden Professoren Michael Kaloudis und Ulrich Bochtler den interessierten Teilnehmern auf. Die Notwendigkeit der Schadensanalyse und –ursache, vor allem im Automobilbereiche, standen dabei im Fokus. „Metallographie ist die wichtigste Methode zur Charakterisierung der Verbindungsqualität von Löten, Schweißen und Kleben“, so Prof. Dr. Kaloudis.
Mit Charme und Witz referierte im Anschluss Prof. Dr. Bochtler über die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) von elektronischen Bauelementen. Bereits seit mehreren Jahrzehnten wird in diesem Bereich geforscht und entwickelt. Die Notwendigkeit hierzu beschreibt Bochlter in breitem Schwäbisch folgendermaßen: „Wenn Du am Flughafen mit dem Auto das Bugrad vom Flieger umfährst, weil die Elektronik ausfällt, dann weißt Du, warum EMV notwendig ist“. Um dies zu verhindern, bietet die FH Aschaffenburg ihre Dienstleistungen den Unternehmen aus der Region an. Gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Bundesimmissionsschutzgesetz oder Vorgaben der Berufsgenossenschaft sind oftmals die Triebfeder und Muss, elektronische Bauteile auf ihre Störanfälligkeit zu untersuchen.
Ein weiteres Prüflabor wird in der Region von der TRW Automotive Safety Systems GmbH mit 14 Mitarbeitern betrieben. Aufgrund der Nähe zur Automobilbranche können alle Testsysteme, die im Automobilbereich gängig und notwendig sind, auch für außen stehende Unternehmen als Dienstleistung angeboten werden. Den Ablauf eines solchen Prüfauftrages beschreibt Dr. Peter Placke vom TRW Prüfzentrum folgendermaßen „Zu Beginn steht die Planung des Testumfangs, anschließend werden die zu planenden Aufträge dokumentiert bevor es im Prüflabor zum Prüfablauf kommt. Im vorletzten Schritt werden dann der Prüfbericht erstellt und anschließend das Ergebnis bewertet“.
Ähnlich wird dies auch von der Firma Mainsite Analytic Service in Obernburg umgesetzt. Die Mainsite ist dabei ein unabhängiges Prüflabor mit 75 Mitarbeitern. Um ihren Kunden vollumfängliche Dienstleistungen anbieten zu können, wurden bisher 15 Mio. Euro in Prüfeinrichtungen investiert. Dr. Wolfgang Lohmann betonte dabei jedoch, dass alle Schadensanalysen individuell bearbeitet werden und eine Standardisierung keinesfalls möglich ist. Ursache von Schäden, deren Visualisierung auf Nano- und Mirkoebene, deren Analyse sowie die Schadensfallaufklärung beschreibt er anhand einiger von den Unternehmen freigegebener Praxisbeispiele. Sein Credo dabei: „Die Schadensfallaufklärung erfordert Mikrobereichsmethoden wobei die gegebene Fragestellung die Auswahl des Verfahrens bestimmt – und nicht umgekehrt!“.
Im anschließenden Get-together im Ausstellungsbereich konnten die Teilnehmer sich untereinander austauschen und sich gegenseitig kennen lernen.
